(CD: ding / dong)

    Große Terz rauf, große Terz runter – wie ein betriebsinternes Lautsignal wirkt diese simple Klangzelle, aus welcher Beimel sein concertino für Viola und Streichorchester (2007) entwickelt. Ein akustisches Design, dessen kantige Kontur er durch Glissandi weichzeichnet. Unversehens spreizt es sich, gebiert lockere, unterschiedlich artikulierte Gewebearten. Ein Vexierspiel, ein Dschungel trügerischer Anklänge und Assoziationen, in dem sich die Solobratsche als Pfadfinderin behauptet.
    Ein Komponist, der mit den Tönen haushält und das Leben jedes Einzeltons abhorcht, scheint für das heikle Genre des instrumentalen Solostücks prädestiniert. Was die drei Monologe bestätigen, jeder auf eigene Weise: …into space… für Kontrabass mit Resonanzsaiten, pastorale für Oboe allein und gaukelei für Akkordeon. Ihre hingegebenen Interpreten sind Sebastian Gramss, Georg Bongartz und Ute Völker.
    Schlichte Schönheit zeichnet Beimels Chorstücke aus. Sie leisten etwas, wozu sich akademi­sche Klangschöpfer hierzulande oft zu schade sind: kompositorische Aufgaben so zu lösen, dass sie für Liebhaber ausführbar bleiben. Wie die von Jean Paul angeregte, „in immer ferneren Weiten verschwimmende“ Tonwoge ding/dong oder das „linde Wellenschlagen“ in Eichendorffs Nacht-Gedicht.

    Lutz Lesle, „Das Orchester“ (Schott), Mainz, 02 / 2012

     

    (vom guten ton · die welt ist voll geplapper)

    Im Kleinen Wuppertaler Schauspielhaus entfalteten Dorothea Brandt, Michaela Mehring, John Janssen und Jud Perry singend, schauspielernd, requisitenmontierend ein gesellschaftsdiagnostisches Tableau. Den orchestralen Hintergrund dazu lieferte eine gut funktionierende Arbeitsgemeinschaft aus Laien und Profis:
    ein Bläserquartett der Wuppertaler Sinfoniker und die jugendlich besetzte Mandolinen-Konzertgesellschaft Wuppertal unter souveräner Leitung von Detlef Tewes.
    Was Müller/Beimel in neun abendfüllenden Alltagsszenen fokussieren, sind die gelangweilten Nöte, die Hemmungen, die Maskeraden, die Unverschämtheiten und die kleinen Tragödien eines irgendwie abgesunkenen, dem Anspruch nach aber sich gehoben dünkenden Kultur(rest)bürgertums. Es gelingen starke Bilder. Wenn die vier ihre Angelruten in das trübe Gewässer ihres unklaren Gefühlssees hängen, wenn sie als blasierte Kulturschickeria herumhängen und ihr Lästermaul rühren. Und manchmal starren wir sogar mit den Akteuren in die Leere ihres vereinsamten Lebens.

    Georg Beck, nmz.de/online, 24.10.2012

     

 

    (CD: ding / dong)

    Die womöglich frühesten Aufzeichnungen eines Alphabets, die im nordsyrischen Ugarit gefunden wurden, inspirierten Beimel zu dem gleichnamigen Streichquartett, wobei er die uralten Keilschriften in betörende Klangzeichen transformierte. Sich dafür eines tradierten Klangkörpers zu bedienen, mutet nur vordergründig irritierend an, da die kompakte Dichte der Streicherbesetzung «Ugarit» zu großer Wirkung verhilft. Wie Rufe aus der Ferne, die als akustische Scheinriesen näher rücken und wieder entschwinden, ent­führt «Ugarit» in reizvoll zwischen Vertrautheit und Fremdheit ausbalancierte Klanggefilde – nicht zuletzt aufgrund der konzentrierten, zumal die dynamischen Prozesse perfekt auslotenden Interpretation durch das Sonar Quartett.
    Beeindruckend ist auch das breite schöpferische Spektrum Beimels, das sich in den weiteren Werken dokumentiert. Klanglich verwandt mit «Ugarit», aber nicht so stark wie das Quartett, ist sein «concertino» für Viola und Streichorchester (mit Werner Dickel, Viola, und der Wuppertaler Sinfonietta unter Reinmar Neuner). Diesem Stück liegt indes ein völlig anderer Ausgangspunkt zugrunde, nämlich aus einer schlichten musikalischen Idee mit «feiner Ironie» ein komplexes Netz aus Finten, Irr­wegen und Deformationen zu konstruieren.

    Egbert Hiller, Neue Zeitschrift für Musik, Januar 2012

 

    (CD: tanâvar)

    Ein Vibraphonist ist mit sich selbst im Dialog. Zwei verschiedene Trommelsignale fungieren wie wechselseitige Echos. Akkordeon und Orgel ergänzen sich und bleiben sorgsam getrennt. Und Flöte, Posaune und Stimme fügen sich kontrovers zum Quartett. Klanglich apart, unspektakulär, zugleich beredt, also auch linear – so klingt Thomas Beimels Musik. Betriebsamkeit, Lärm, Attitüden vom Festivalmarkt sind dieser Handschrift ganz fremd. (…) Inner- wie außerhalb des musikalischen Parts geht es dem Wuppertaler Komponisten um Fragen des Kommunizierens. Musikalischer Gleichklang ist für ihn etwas Kostbares, meist interagieren Stimmen und Instrumente nur flüchtig. Exemplarisch dafür ist das Titelstück der CD – Tanâvar, ein usbekisches Liebeslied. Im Verhältnis von Querflöte, Posaune und Mezzosopran fügt sich nur wenig, wiewohl das Klingende wohl fasziniert. Liebe – das versteckte Sujet vielleicht auch anderer Titel der Platte – definiert der Komponist musikalisch, als lebendige Dissonanz. (…) Ihren Niederschlag finden sie in der 17-minütigen Deklamation allerdings nicht in Gestalt von Folklore; Vibrati, Glissandi, mikrotonale Verläufe fügen sich beinahe zu einem unendlichen Melos, das Distanz hält und doch Nähe verrät.

    Frank Kämpfer, nmz-online, Dezember 2008
     

 

    (CD: mneme)

    Sprachcharakter ist tatsächlich bei den sieben, allesamt im Jahr 2000 und danach geschriebenen Werken offensichtlich. Selbst in melos, einem Duett für Pauken, fällt ein sprachgemäßes Artikulieren auf, ergeben sich im Hin und Her des aus dem Perkussiven immer mehr ins Melodische übergehenden Geschehens Klangreden. Cantus Firmus und kanonische Verwebungen tauchen immer wieder auf. Sie geben – bei allen Auflösungstendenzen der klanglichen Kontur – etwas Leibgebundenes und Fassliches. Guter Nachvollzug ist auch dem unvorbereiteten Hörer jederzeit möglich. (...) Allen Werken ist ein flehentlich-verhaltener, kontemplativer aber auch desaströser Ton eigen. (...) Besonders die Momente des Sehnenden und Fragilen, ein fast romantisches Moment von ausformulierter Erinnerung, von Beschwörung, Verlust und Vereinigungssuche sind dezent und intensiv gegenwärtig - ohne alle Gefälligkeit und ohne alles Klischee.

    Bernhard Uske, in “Das Orchester” (Schott), Mainz, Oktober 2005

 

    (Knittel: ein Paartanz)

    Der Stoff, den das rauhe Leben in den Bergen schrieb, ist altbekannt aus Roman und Film, Drama und Oper: Unter dem Namen Geierwally ein Frauenschicksal, dessen Urheberin Anna Steiner-Knittel war. Vom historischen Menschen zur Kunstfigur, die sich vom Wort in den Tanz, in Musik auflöst, ja, sublimiert; und die Bratsche spielt dazu. Eine Grenzüberschreitung, die diesen ästhetischen Modebegriff wie keine erfüllt.

    Dietmar N. Schmidt, Programmheft des Impulse- Festivals, Januar 2004 

     

    (faltenbalg)

    Äußerst behutsam arbeitet der Komponist mit dem großen Potential der originellen Instrumentierung. Das Stück soll nicht einfach nur mit Klangmasse überwältigen, sondern feine Strukturen und Klanggebilde werden entwickelt. Gehaltene Töne der einzelnen Spieler werden zu Akkorden geschichtet. Der Klang fächert sich auf wie die Instrumente selbst. Erstaunlich nahe kommt das Klangbild nicht nur den hohen Tönen einer Orgel, sondern es entsteht auch der Eindruck von elektronisch erzeugter Musik. (...) 
    “faltenbalg” ist ein anspruchvolles Stück, das dem Publikum Konzentration abverlangt, dafür aber neuartige Klang- und Raumerlebnisse vermittelt. 

    Meike Nordmeyer, Westdeutsche Zeitung, Düsseldorf, 20. Februar 2002
     

    (Duo “ison” – mit Karola Pasquay, Querflöte)

    Intensiv und unglaublich organisch entwickelten die beiden ein dichtes Klanggeflecht voller Dynamik. Ein explosives Gemisch mit fesselnden Spannungsverläufen, hochexpressiv und mit allen nur erdenklichen Spieltechniken der Neuen Musik gespickt.

    Heike Eickhoff, Westfälische Nachrichten, Münster, 6. Februar 2002

     

    (mneme)

    Ganz am Klang ausgerichtet, steht hier stark emotionalen Linien eine “ungeformte Klangmaterie” gegenüber, fließende Flächen und stark gedehnte Glissandi, geräuschdurchmischte und fast unhörbare Klänge mit hypnotischer Faszination.(...)

    Sebastian Pantel, Westdeutsche Zeitung, Wuppertal, 19. November 2001

 

    (Zwei Augen / Sternverdunklung)

    Die suggestive Kraft der Verse von Lorca teilend, realisierte der deutsche Komponist Thomas Beimel in seinem Stück “Zwei Augen/ Sternverdunklung” eine sensible und raffinierte Musik, (...): einen fließenden Zustand, in dem sich die reale und die metaphysische Welt überlagerten.

    Doina Rotaru, Actualitatea muzicala, Bukarest, Juni 2000

 

    (Idyllen)

    Die Musik dazu ist entsprechend verinnerlicht, zugleich aber auch ironisch zugespitzt und daher theaterwirksam. (...) Insgesamt haben die Autoren den bei einer Veroperung des eigentlich unopernhaften Jean Paul unerlässlichen, ebenso intellektuellen wie skurrilen Humor kongenial getroffen. Sozusagen mit solidarischem Schmunzeln nimmt man die sieben Szenen auf, bis zur “Erkenntnis, dass wir alle beschränkt sind” (Thomas Beimel)

    Ingo Hoddick, “Das Orchester”, Mainz, März 2000

     

    (Die Affäre Klytaimestra)

    Was Thomas Beimel und Michael Schneider aus der Geschichte der antiken Gattenmörderin gemacht haben , ist eine Achterbahnfahrt durch die Atriden-Saga. Textcollagen aus der Orestie, aus Schlagern der zwanziger Jahre sowie aus Allgemeinplätzen der Gegenwart bilden den Textteppich für das expressionistische Spiel von Schneider und Beimel.

    Britta Zelin, Wupper-Nachrichten, Nr.  18 - 1995

Thomas Beimel

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